DISCOVER ROME

Entdecke ein anderes Rom!

Das Prenestino-Viertel: Eindrücke aus einem römischen Wohnviertel

Das Bild der Via Prenestina wird dominiert durch die üblichen vier- bis zehngeschossigen Gebäude, die man am Stadtrand Roms findet. Keine Schönheiten, keine architektonischen Wunderleistungen, sondern einfach und nüchtern gehalten, aber von ihren Bewohnern mit Leben gefüllt. Der erste Eindruck auf einen deutschen Touristen ist sicherlich negativ, er bekommt Angst und befürchtet, an der nächsten Straßenecke ausgeraubt zu werden. Wenn er aber genau hinschaut, sieht er, wie dort das normale Leben stattfindet. Auf den Balkonen und vor den Fenstern flattert munter die bunte Wäsche im Wind, die Balkone bersten z.T. vor Grünpflanzen.
Villa Gordiani
  Quelle: Discover Rome
Die (Haupt-)Straßen sind belebt, am Sonntagvormittag flanieren dort Menschen allen Alters. Mütter schieben ihre Kinderwägen vor sich her, führen ihre Hunde spazieren, ältere Menschen treffen sich auf ein Schwätzchen vor einer Bar, an der Straßenecke oder auf einer der Piazze, die es auch hier oft genug gibt. Auf der Piazza dei Gerani sitzen Männer und spielen Karten, auf den Kinderspielplätzen hüten Väter, in den feinen Sonntagsanzug gekleidet, ihre spielenden Kinder, im Park der Villa dei Gordiani räkeln sich Menschen auf den Bänken und dem Rasen. Jogger drehen ihre Runden und eine neu gegründete Umweltgruppe versucht an einem Werbestand ihre Broschüren loszuwerden und die Spaziergänger für die Belange der Umwelt zu interessieren. Mitten in dem recht netten Park findet man die Überreste einer antiken römischen Villa, sicher eingezäunt, um einer weiteren Zerstörung vorzubeugen.
Funktionstrennung scheint ein Fremdwort zu sein, nicht nur in der Innenstadt von Rom. Auch hier findet man im Erdgeschoss zahlreiche Läden und Bars. Supermärkte, Zeitschriftenläden, Konditoreien und Bars wechseln sich hier mit Werkstätten und vorgelagerten Tankstellen ab. Die Grundversorgung eines Haushalts ist im Umkreis von wenigen hundert Metern gewährleistet, was zu einer Belebung des Straßenbildes und somit des ansonsten recht öden Viertels führt. Auch einen Marktplatz gibt es, an der Viale Ronchi. Einen weiteren Markt gibt es neben dem Park der Villa dei Gordiani. Dieser findet jeden Vormittag in einer relativ großzügig angelegten Markthalle statt, welche allerdings noch recht neu ist. Dadurch geht dem Markt z.B. das Flairs des Marktes an der Piazza Alessandria ab. Die dortige Markthalle stammt aus den Zwanziger Jahren.
Mein Zuhause
  Quelle: Discover Rome
Hier draußen bemerkt man dann auch wieder Anzeichen, dass Italien wirklich eine Radfahrernation ist. Bekommt man in der Innenstadt nur selten einen Radfahrer zu Gesicht, so ist dies hier draußen doch öfter der Fall. Am Sonntag begegnen einem dann auch die sonst so verbreiteten Radlergruppen, alle in Trikots gekleidet, wenn sie von ihren Touren von außerhalb Roms zurückkehren.
Ein typisch römisches Merkmal fehlt auch hier draußen nicht: Der Autoverkehr, sei es der ruhende oder der Straßenverkehr. Immer wieder trifft man hier auf breite Achsen, die quer durch das Viertel führen und auch vom Autoverkehr entsprechend in Anspruch genommen werden. Aber, und das erstaunt eventuell, das italienische Automobil will auch gepflegt sein. Hier scheint die schwäbische Gründlichkeit Einzug gehalten zu haben, denn rund um die fontanelli (die kleinen Brunnen) kann man Familienväter beim Waschen des Autos beobachten, Jugendliche unterziehen sogar ihr Mofa einer Wäsche. Eines Nachts war sogar gegen 22 Uhr noch ein Italiener bei der Wagenpflege zu beobachten. Ende Oktober wohlgemerkt, nicht in einer lauen Sommernacht.
Prenestino
  Quelle: Discover Rome
Von der in Italien üblichen Kriminalität bleibt man hier draußen allerdings auch nicht verschont. So hat jemand versucht, an meinem Fiesta die deutschen Nummernschilder abzumontieren, was allerdings nur zum Teil gelungen ist, da die Schrauben des vorderen Nummernschildes wohl festgerostet sind. Zum Glück wurde darauf verzichtet, mit einem (wertlosen) Nummernschild abzuziehen. Es wurde mir unters Auto gelegt, so dass mir aufwendige Behördengänge erspart blieben. Das Nummernschild klebt jetzt mit Tesa befestigt an der Heckscheibe. Innen, versteht sich...
Hier treibt sich ein Rudel von mindestens fünf wilden Hunden rum. Die Tiere leben wohl von Abfällen, ob sie Kleintiere jagen, kann ich nicht beurteilen. Jedenfalls sehen sie sehr dünn aus, aber nicht wirklich hungrig. Vielleicht werden sie auch von irgend jemandem gefüttert. Einen gefährlichen Eindruck machen sie auch nicht, es scheint sich auch niemand um ihre Anwesenheit Sorgen zu machen.
Auch an der Via Prenestina, von uns aus gesehen weiter draußen, stehen Nutten und warten auf Freier. Prostitution ist in Italien verboten, wird allerdings toleriert. Dann sieht es hier also wohl so ähnlich aus wie an der Via Appia Nuova, wo die Damen im 50-Meter-Abstand am Straßenrand stehen und sich anbieten, entsprechend aufgemacht.
Interessant war auch das Intermezzo eines "Einpersonenhaushaltes" auf der angrenzenden Grünfläche. Da hatte sich wohl ein Obdachloser über den Winter häuslich mit einer Bretterbude eingerichtet, mittlerweile scheint er weiter gezogen zu sein. Vielleicht hat er in Innenstadtnähe eine neue Bleibe gefunden. In den letzten paar Tagen seines Aufenthaltes war er früh morgens dabei zu beobachten, wie er im noch taufrischen Gras Sit-ups gemacht hat... Scheint hart im nehmen zu sein. Muss er aber auch sein, wenn er in diesem Winter quasi im Freien übernachtet hat.

(Geschrieben während meines Romaufenthaltes 1998/99)

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